klickende Festplatte und hoher Load_Cycle_Count
Notebook-Festplatten werden öfters als Desktop-Festplatten in den Ruhezustand versetzt. Dazu werden die Köpfe geparkt. Jeder Parkvorgang wird von der Festplatte als “Load_Cycle” gezählt. Die meisten Hersteller spezifizieren Ihre Festplatten für ca. 600000 dieser Load_Cycles. Ist das APM (Advanced Power Management) der Festplatte vom Hersteller (Firmware) oder des Controllers (dessen Firmware) oder BIOS falsch eingestellt, wird die Festplatte zu oft geparkt. Und das meist unbegründet. Neben dem APM kann auch ein APS (Active Protection System) dafür verantwortlich sein. Dieses Parken macht sich durch ein Klicken oder auch Klack-Geräusch bemerkbar. Die meisten Windowsnutzer machen sich weiter keine Gedanken und installieren auch bestimmt nicht die Smartmontools. So könnte die Tatsache, dass hauptsächlich Linuxnuzter über dieses Thema diskutieren, den Eindruck erwecken, dass es sich um ein Linux-Problem handle. Das APM richtig einzustellen ist aber Aufgabe des Herstellers. Glücklicherweise kann man mit hdparm (hdparm -B) unter Linux die APM-Einstellungen so ändern, dass die Platte kaum noch die Köpfe parkt, dadurch aber unter Umständen wärmer wird (Linux Hard Disk Issue - Excessive Load_Cycle_Count). Wer nach Load_Cycle_Count sucht, wird 1001 Seiten mit teils hysterischen Hilfegesuchen finden. Die Anschuldigungen gegen Linux/Ubuntu sind aber nicht haltbar. Dennoch wird ihnen intensiv nachgegangen (Bug #59695). Nur, weil man mit Linux der Sache überhaupt auf den Grund gehen kann, heißt das nicht, dass Linux an der Misere Schuld ist.
Load_Cycle_Count überprüfen
Dazu müssen erstmal die Smartmontools installiert werden:
sudo apt-get install smartmontools
Danach kann mittels smartctl der aktuelle Zähler abgefragt werden:
# es muss nicht sda sein
sudo smartctl -a /dev/sda | grep Load_Cycle
Mehr zu den Smartmontools hier:
- Vorbeugen statt Crash (LinuxUser)
- Monitoring Hard Disks with SMART
- Howto setup smartmontools & smart-notifier. Benachrichtung unter Gnome bei baldigem Vesagen der Platte.
Spezialfall IBM Hitachi Festplatte in Thinkpad X41
In meinem X41 werkelt eine 60 GB Hitachi C4K60 (HTC426060G9AT00) deren Load_Cycle_Count geradezu bizarre Werte auspuckt:
193 Load_Cycle_Count (...) 2819092549829
Wenn man allerdings mit einer while-Schleife
sudo su
# das folgende alles (ohne Enter) in 1 Zeile
# ohne die Kommentare natürlich
while :;
# das '-n standby' weckt die Platte nicht
do smartctl -n standby -a /dev/sda | grep Load_Cycle;
# 600 Sekunden = 10 Minuten
sleep 600;
done;
am Ball bleibt, und z.B. alle 10 Minuten abfragt, während man die Klacks mitzählt, sieht man, dass die letzen sieben Stellen Unsinn sind:
193 Load_Cycle_Count (...) 2819092549829
193 Load_Cycle_Count (…) 2819122549829
193 Load_Cycle_Count (…) 2819122549829
193 Load_Cycle_Count (…) 2819182549829
193 Load_Cycle_Count (…) 2819222549829
In 40 Minuten hat die Platte also 13 Load_Cycles kassiert. Das ist eigentlich innerhalb des erträglichen. Für die Hitachi C4K60 gibt es keine Heilung. Insgesamt ist sie bei 281922 von 600000 Zyklen. Um das zu erreichen hat die Platte ca. 3 Jahre gebraucht. Nochmal 3 Jahre, und das Notebook ist 6 Jahre alt. Dennoch: Im Auge behalten! Falls doch der Tod eintritt, wird wohl eine SSD zusammen mit einem ZIF-Adapter verbaut werden müssen (1,2).
Festplattenzugriffen auf der Spur
Was ‘top’ mit Prozessen kann, kann IOtop mit Festplattenzugriffen. Wenn die Platte hautsächlich durch Loggin-Aktivitäten aufgeweckt wird, kann über RAMlog nachdenken.