LaTeX Schnellstart (turbo). Für Einsteiger.
LaTeX unterscheidet sich fundamental von WYSIWYG Programmen wie OpenOffice-Writer oder M$-Word. In LaTeX sieht man während der Bearbeitung das Dokument nicht in seinem letztendlichen Layout, viel mehr ist schreiben von LaTeX Quellcode mit dem Editieren von HTML Dokumenten zu vergleichen.
LaTeX ist kein Programm. LaTeX ist nicht etwa der Name eines Programmes, dass man sich einfach runter laden und installieren kann. LaTeX ist ein Textsatzsystem, dass man in dieser Beziehung eher mit Linux(kern) und seinen Distributionen vergleichen kann. Denn auch von LaTeX gibt es verschiedene Distributionen. Nach der Installation eines LaTeX Systems kann mann auf der Kommandozeile den Befehl latex aufrufen und ihn auf einen *.tex-Datei loslassen:
> latex mein_brief.tex.
LaTeX ist also doch ein Programm.
Vorbau für LaTeX. Damit das schreiben und compilieren von LaTeX Dokumenten nicht zur Qual wird, gibt es sog. Frontends oder LaTeX Editoren oder auch einfach Editoren, die die Syntax von LaTeX Befehlen kennen und diese hervorheben können. Desweiteren rufen die Editoren die entsprechenden LaTeX Befehle auf Knopfdruck auf.
Los geht’s
Wir wollen hier ja einen Turbo-Start hinlegen und nicht bei den Ausschweifungen über LaTeX an sich hängen bleiben. Dazu gibt es Artikel im Netz wie Sand am Meer. Ich werde hier nur eine von vielen Methoden vorstellen. Aber die sollte funktionieren.
- MikTeX, einen LaTeX Distribution herunterladen und installieren: Unter der Überschrift “MikTeX Releases” hinter der neuesten Version auf “[download]” klicken. Nun etwas weiter unten auf der Seite auf “Download ‘Basic MiKTeX 2.7′ Installer” klicken. Den heruntergeladenen Installer ausführen und brav durch die Installation klicken. Standardverzeichnisse nicht ändern!
- MikTeX updaten. Dazu auf “Start” → “Alle Programme” → “MikTeX …” → “Update” klicken. Im Update wählt man dann als Quelle für die Updates “remote package repository” (random oder einen nahen Mirror). Und weiter durchklicken. Haken da lassen, wo sie sind!
- TeXnicCenter, ein LaTeX Frontend installieren. Unter “End User Downloads” das “TeXnicCenter Setup” wählen. …. uuund installieren.
Damit haben wir erstmal alle notwendigen Programme installiert. TeXnicCenter findet die MikTeX-Installation selbsttätig. Im nächsten Schritt erstellen wir das erste PDF auf einem LaTeX-Quelltext.
Mein erstes LaTeX-Dokument
Da dies ein Turbo-Schnellstart werden soll, kommen wir gleich zur Sache:
- TeXnicCenter starten und über “Datei” → “Neu…” ein leeres Dokument anlegen.
- Den folgenden Quellcode mit Copy&Paste in das Dokument einfügen:
\documentclass[a4paper,10pt]{article}
\title{Mein erstes \LaTeX -Dokument}
\author{cloudkicker.net}
\begin{document}
\maketitle
\newpage
\begin{abstract}
Ich bin das Kurzreferat.
\end{abstract}
\newpage
\section{Ich bin Abschnitt}
Ich bin der Text im Abschnitt.
\subsection{Ich bin ein Unterabschnitt}
Ich bin der Text im Unterabschnitt.
\end{document}
- Dieses neue Dokument speichern: “Datei” → “Speichern”. Denkt Euch einen Namen aus. Möglichst kurz, keine Sonderzeichen oder Umlaute, keine Leerzeichen. z.B.
MyDoc.tex - Jetzt wird ernst, wir “techen” unser erstes Dokument. Viele Anleitungen beschreiben die klassische Version mit einem DVI-Dokument als Ausgabe. Viele Anwender gehen mit der Kirche ums Dorf, indem folgenden Weg gehen, um ein PDF zu erhalten: LaTeX → DVI → PS → PDF. Klar, dass mit dieser Methode sämtliche hilfreiche, moderne Funktionen, wie Lesezeichen oder Links in PDFs verloren gehen. Außerdem können bei dieser Methode die Abbildungen nur als EPS eingebunden werden. Es ist jedoch absolut hirnrissig JPGs in EPSs umzuwandeln. Deshalb nutze ich konsequent PDFLaTeX. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass aus dem LaTeX-Dokument direkt ein PDF erstellt wird, und ich gängige Grafikformate (JPG, PNG, PDF) direkt einbinden kann. Um PDFLaTeX zu nutzen, stellen wir dies in TeXnicCenter in der Symbolleiste ein:

Jetzt muss das Dokument nur noch “erstellt” werden. Dazu einfach (Strg + F7) drücken oder den entsprechenden Button:

Im unteren Ausgabe-Fenster von TeXnicCenter sollte sich jetzt was tun. Bei mir endet das ganze mit:
LaTeX-Ergebnis: 0 Fehler, 0 Warnung(en), 0 ...Damit wurde das erste PDF aus einem LaTeX-Dokument erfolgreich erstellt.
- Ergebnis betrachten. PDFLaTeX hat nun in dem Verzeichnis, wo das *.tex-Dokument liegt ein PDF erstellt, das bis auf die Endung genauso heißt. Dieses PDF kann ganz normal geöffnet werden. Bequemer geht es über “Ausgabe betrachten” direkt von TeXnicCenter aus durch Drücken von F5 oder des entsprechenden Buttons:

Nun sollte sich das PDF im Standard-PDF-Betrachter öffnen. Bei den meisten dürfte das der AdobeReader sein, obwohl ich den SumatraPDF bervorzuge.
Damit könnt Ihr hoffentlich schon mal loslegen. Natürlich gibt es noch sehr viel zwischen diesem ersten 08/15-Dokument und einer fertigen Diplom-, Studien- oder Doktorarbeit mit LaTeX. Eine sehr gute Starthilfe ist das Projekt Diplomarbeit mit LaTeX. Die wohl bekannteste LaTeX-Bibel ist “A Guide to LaTeX” und die anderen Bände von Helmut Kopka. Für den Anfänger gehen diese Werke aber teilweise schon zu weit. Immer wieder gut für die alltäglichen Funktionen von LaTeX finde ich “LaTeX. Echt einfach.“. Viele reduzierte Bücher zu LaTeX findet man im Terrashop.

February 6th, 2008 at 12:16
Na das ist ja wirklich mal ein Einstiegsartikel.
Using Internet Explorer 6.0 on Windows XPMal schauen ob ich jetzt motiviert genug bin mir Latex mal anzuschauen - ich schiebe es schon seit meiner Diplomarbeit vor mir her…