REAL-Audio-Webradio-Stream (ra) nach mp3 konvertieren

Solange sich OggVorbis als StreamingFormat zusammen mit dem ICEcast-Server (beides OpenSource und sehr gut) noch nicht durchgesetzt hat, ist man leider noch auf proprietäre Audioformate angewiesen. Wobei mir REAL immer noch besser aufs Gemüt schlägt als WindowsMedia.

Wie zeichnet man einen REAL-Stream auf?

Es gibt einige, größtenteils kostenpflichtige Tools, um Webradio-Streams auf die Festplatte zu schreiben. Allerdings gehen diese Tools oft unergründliche Umwege; greifen z.B. das dekodierte Audiosignal über eine virtuelle Soundkarte ab, usw. Ich will hier den direkten Weg gehen. Wir schreiben den Stream so wie er kommt auf die Festplatte. Dazu nehmen wir den MPlayer. Unter Linux kann er bequem per YaST installiert werden, unter Windows muss man selbst Hand anlegen. Ist der MPlayer einsatzbereit, wechseln wir auf der Konsole in das gewünschte Verzeichnis. Wir benötigen noch die URI zum REAL-Stream. Dazu beim Start des Webradio die angebotene *.ra- oder *.smil-Datei nicht öffnen, sondern auf der Festplatte speichern. und mit einem Editor öffnen. Sollte der Stream eingebettet sein, einfach im Quellcode der Webseite rumschnüffeln. Ist die URI zum Stream gefunden, starten wir MPlayer mit der Option -dumpstream:

mplayer -dumpstream rtsp://meinradio.de/stream/bla.ra

Am Beispiel von Sunshine würde die URI zum Stream (zur Zeit) folgendermaßen lauten:
rtsp://213.254.239.61/farm/*/encoder/sunshinelive/livestream2.rm

Damit landet der Stream in der Datei stream.dump im aktuellen Verzeichnis. Die Datei wächst dabei kontinuierlich. Zumindest unter Linux kann das beobachtet werden. Ist die Aufzeichnung beendet, wird MPlayer einfach mit “Strg + C” beendet. Nun benennen wir die Aufzeichnung noch um:

mv stream.dump Aufzeichnung.ra

Die Datei Aufzeichnung.ra kann nun mit jedem Player, der REAL abspielen kann wiedergegeben werden.

Umwandlung von *.ra nach MP3

Eine direkte Umwandlung gibt es nicht. Wir müssen über eine temporäre WAVE (*.wav) Datei gehen. Dazu dekodieren wir die REAL-Datei Aufzeichnung.ra zuerst in die Datei Aufzeichnung.wav:

mplayer Aufzeichnung.ra -ao pcm:file=Aufzeichnung.wav

Die WAV-Datei kann mehrere hundert MegaByte groß werden. Nur zur Info. Im nächsten Schritt wird die WAV-Datei nach MP3 umgewandelt. Hier können die LAME-Parameter ganz nach Vorliebe gesetzt werden. Ich verwende VariableBitRate mit den Standard-Einstellungen:

lame --vbr-new Aufzeichnung.wav

LAME kann unter Linux natürlich wieder per YaST installiert werden, wenn das PackMan-Repository eingebunden ist. Windows-Nutzer finden LAME in meinem Software-Listing.

MP3s richtig schneiden

Es gibt viele Programme, die behaupten MP3s zu schneiden. Leider ist das eine Falschaussage. Diese Programme dekodieren das MP3 nach WAV, schneiden die WAV-Datei, und kodieren diese dann wieder nach MP3. Der Qualitätsverlust liegt auf der Hand. Jedem, der MP3s schneiden will oder muss, lege ich mp3DirectCut nahe. Natürlich verlinkt in meinem Software-Listing. Die Bedienung von mp3DirectCut ist zwar nicht besonders intuitiv, dies aber nur auf den ersten Blick. Ein Kurzanleitung würde so lauten:

  1. mp3 Datei öffnen
  2. Schnitt-Position mit Maus markieren
  3. ENTF/DEL-Taste drücken um Markierung in CUE-Schnitt umzuwandeln
  4. Schritte 2. und 3. für alle Schnitt-Positionen durchführen.
  5. Wenn fertig, unter “File” → “Save Split” wählen. (Damit werden alle Stücke einzeln abgespeichert.)
  6. Ein Schema für die zu speichernden Dateien angeben: %N_Aufzeichnung

Jetzt schreibt mp3DirectCut alle Einzelabschnitte als 01_Aufzeichnung.mp3, 02_Aufzeichnung.mp3, usw. auf die Platte. Anschließend können die einzelnen Stücke getagged werden. Unter Linux empfehle ich EasyTag, unter Windows mp3tag.

mp3DirectCut unter Linux
Sicherlich haben sich die Linux-Nutzer jetzt gewundert, wie sie hier mitkommen sollen. Schließlich ist mp3DirectCut ein Windows-Programm. Richtig, aber ein relativ genügsames. Deshalb läuft mp3DirectCut wunderbar in wine. Ich rate dazu die mpglib.dll von mpesch3.de in das Installationsverzeichnis von mp3DirectCut zu legen, und in den Settings auch anzugeben diese als Decoder zu nutzen.

Technobubble , , ,

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.