Genug von StudiVZ und Facebook. - Besser zu kaioo!

Meine bösen Meinungsäußerungen über die Nutzer des StudiVZ liegen mehr als ein Jahr zurück. Zeit ein Resume zu ziehen. Was haben Deutschlands angehende Akademiker dazu gelernt? Gibt es überhaupt Lernerfolge? Werden die VZler aus Schaden klug und gehen zu einer vernünftigen Plattform? … oder laufen sie dem größten Häscher a.k.a. Facebook in die Arme?

StudiVZ - Der Stand der Dinge

Vor ca. einem Jahr lag das StudiVZ meiner Ansicht nach in Scherben. Das wurde aber von den StudiVZlern anders wahrgenommen. Zu meiner Meinungsbildung trug seinerzeit folgendes bei:

  • StudiVZ wurde mehrmals durch Hacks lahm gelegt. Waren es XSS-Lücken oder Datenbank-Hacks, das ganze System vermittelte kein Vertrauen. Die eifrigen Nutzer vermuteten hinter den immer wieder kehrenden Kaffeepausen nichts böses. Auf dem CCC-Meeting zwischen Weihnachten und Neujahr wurde eine Statistik der Nutzer veröffentlicht - die Datenbank wurde gehackt. Ein zweites Mal wurden die Daten des StudiVZ dann im Februar 2007 geklaut, diesmal in böser Absicht. Niemanden kümmerts.
  • Eines der Gründungsmitglieder fiel in der Öffentlichkeit mehrmals negativ auf, filmte Frauen auf Toiletten. Das ganze Gipfelte in der Umgestaltung des Völkischen Beobachters ins StudiVZ-Design. Das lies die meistens links angehauchten Studenten auch völlig kalt.
  • Die Gebrüder Samwer beteiligten sich nach dubiosen Jamba-Klingelton-Abzocken am StudiVZ, haben also Zugriff auf die Daten. Hat das die Nutzer gestört?
  • StudiVZ wird für eine horrende Summe an Holtzbrink vercheckt. Es wird beteuert, dass sich für die Nutzer nichts ändert. Hat es doch auch nicht. Ihre Daten werden weiterhin für Werbezwecke hergenommen. Das wollten sie doch so, sonst hätte man sich ja nicht angemeldet

Studis bleiben nach Aufruhr doch

Im Frühling 2007 glätteten sich die Wogen es ruhig ums StudiVZ, die Nutzerzahlen stiegen. Dann mit einem großen Paukenschlag, kurz vor Weihnachten 2007 schockten die Betreiber die VZler mit neuen AGBs. Die meisten hätten diese natürlich blind abgewunken, was hätte man denn zu befürchten? Aber einige VZler probten den Aufstand. Plötzlich wurden Profile auf ein Minimum reduziert, Namen verstümmelt (Hans Kurz heißt jetzt Kanz Hurz und kreativere Lösungen), und die Fotos gar mit der Aufschrift SchnüffelVZ versehen. Alles furchtbar im StudiVZ…. Konsequenz: Wir bleiben! Was soll man denn auch machen? Das StudiVZ ist eine soziale Zwangseinrichtung. StudiVZ-Verweigerer trifft man selten.

Meine Daten kriegt Ihr nicht!
Wie süß! Die naiven Studenten ändern hastig ihre Profilnamen in Irrglauben damit wäre alles in Butter. Kam nie einer auf die Idee, dass ja die Verknüpfungen mit den anderen Usern über eine ID laufen? Und dieser ID ist sicherlich kein Backup, keine Account-History zugeordnet. Nein, man ändert den Namen und schon ist die Gefahr gebannt. Schöne heile Welt! Übrigens: Die “neuen” AGBs wurden schon längst wieder geändert.

Mich findet keiner mehr!
Was ist der Sinn eines “sozialen” Netzes, wenn niemand mehr unter einem Realnamen oder zumindest brauchbaren Nickname zu finden ist? Wer sucht schon nach einer K-a-t-ja? Ganz tolle Idee! Aber Profil löschen: Nein, wir bleiben!

Kernproblem nicht ansatzweise verstanden
Sicherlich ist es unschön zielgerichtete Werbung zu erhalten. Dagegen hilft die Verfälschung der Profildaten schon. Aber, in sozialen Netzen wird ja nicht dem einzeln Nutzer hinterher spioniert. Obwohl es immer gefährlich ist, Spuren über sich im Netz zu hinterlassen (→ yasni). Ich kann einfach nicht verstehen, wie man seine persönliche Daten für Marktforschung und ähnliches prostituiert!

Vom Regen in die Traufe: Facebook

Einige Studis (oder zumindest Nutzer der Plattform) haben es doch dann doch geschafft sich in einem anderen Netzwerk anzumelden.

Facebook.com!
(Kommentar einer VZlerin auf eine Einladung zu kaioo)

Wie eine Schar von Lemmingen laufen einige Studenten zu Facebook über. Dabei werden aber wieder genau die gleichen Fehler gemacht:

  • Man macht das, was viele andere machen ohne zu denken einfach nach. Und fühlt sich gut dabei.
  • Man recherchiert keine 5 Minuten über die neue Plattform. Wer betreibt dieses? Was steckt dahinter?
  • Man liest die AGBs nicht…. und wundert sich nachher, dass man sein Profil überhaupt nicht mehr löschen kann!

Gegen Facebook ist das StudiVZ ein zahmes Lamm. Aber gut, hier interessantesten Nachrichten zu Facebook:

Na dann: Viel Spaß im Facebook!

Silberstreif am Horizont: kaioo

Was soll man nun tun, wenn man unbedingt social-networken will? Überlaufen zu anderen Plattformen, die ebenfalls von Firmen nach gleichem Prinzip ausgeschlachtet werden, bringt nix.

KaiooDas soziale Netzwerk kaioo verfolgt einen wirklich sozialen Ansatz. Gestartet wurde kaioo von Thomas Kreye (ehemals Bertelsmann) und Rolf Schmidt-Holz (Sony-BMG). Wichtig ist hierbei, dass die finanzielle Starthilfe von einer halben Million Euro aus der privaten Kasse von Schmidt-Holz kommt.

“Traum von einer wirklich sozialen, demokratischen und völlig unabhängigen Gemeinschaft im Internet”
(kaioo-Gründer Thomas Kreye, SPIEGEL 47/2007)

Alle Einnahmen, die kaioo aus Werbung (irgendwo muss das Geld herkommen, jede Internetseite hat sie) generiert werden gespendet. kaioo bezieht bei allen wichtigen Entscheidungen die Nutzer, sofern sie sich beteiligen wollen, mit ein (demokratisch). Und das wichtigste: kaioo ist unabhängig und gibt keine Nutzerdaten weiter und wertet dieses auch nicht aus. Das hat kaioo nicht nötig. Lest das Interview mit dem kaioo-Gründer Thomas Kreye.

“… als gemeinnützige Organisation haben wir gar kein Interesse, den Datenschutz zugunsten von höheren Werbeeinnahmen zu vernachlässigen: kaioo lebt wie Wikipedia von Spenden – hier gibt es keine Investoren, die ihre Rendite optimieren wollen oder müssen.”
(Thomas vom kaioo-Team)

Wenn man jetzt mal darüber nachdenkt, was StudiVZ und Facebook an ihren Nutzern an nachweislich negativen Schlagzeilen bescheren, müssten die Leute doch kaioo die Türen einrennen. Aber es tut sich nur langsam was.

Fire-Starter oder Trittbrettfahrer?
Niemand will so recht den ersten Schritt machen. Viele StudiVZler kennen kaioo noch gar nicht, andere wollen warten bis die anderen schon drin sind. Das Nest müsste praktisch schon gemacht sein. Wieso nicht selbst kreativ am Aufbau einer neuen Gemeinschaft mit Gruppen, usw beteiligen?

Leaving StudiVZ

Weitere kaioo-Profilbilder für die bisherige Plattform findet Ihr hier, hier und hier.

Hoffen wir das beste für kaioo, die Plattform hätte es gerechter Weise verdient erfolgreich zu werden. Für alle konsequenten und wechselwilligen mein Vorschlag für ein Profilbild in den anderen Plattformen. Nicht im StudiVZ bleiben und sich brüsten, dass man erkannt hat, dass es ein SchnüffelVZ ist, sondern wechseln!

StudiVZ, Facebook: Sind Studenten nun so dämlich, wie es wirkt?

Das ist sicherlich die große Frage. Ein Außenstehender fragt sich sicherlich, wie man sich so vorführen lassen kann, wie man dann auch noch zu einem schlechteren Anbieter wechseln kann, wieso man immer das macht, was die anderen machen.

Die Schlauheit des Fuchses beruht zu 50% auf der Dummheit der Hühner.

Vielleicht tut sich noch was unserer heutigen Echtzeitgesellschaft. Logisch aus dem Dilemma mit StudiVZ & Co. wären:

  • Abmelden und auf soziale Netze schei…. Schluß mit dem Exhibitionismus des Privaten.
  • Zu einer vertrauensvollen Plattform wechseln.

Disclaimer: Wie alle Artikel auf dieser Seite, ist auch dieser Eintrag nach besten Wissen und Gewissen recherchiert, und mit einer gehörigen Portion eigener Meinung garniert. Damit sind alle Angaben ohne Gewähr. Folgt den Links und lest selbst nach!

Weiterlesen im Netz:

Technobubble , ,

6 Responses to “Genug von StudiVZ und Facebook. - Besser zu kaioo!”

  1. junfun Says:

    Super wiedergegeben!!! :) und die letzte Frage stelle ich mir in letzter Zeit auch oft…… :-/

    Using Mozilla Firefox 2.0.0.11 on Windows XP
  2. Sebastian Says:

    Bleibt wirklich zu hoffen, dass die allgemeine Studentenschaft aufwacht. Allerdings ist das fast aussichtslos, da die überwiegende Mehrzahl doch unpolitisch ist. Deshalb muss man langfristig nicht politisch sondern auf emotionaler Ebene an die Leute ran. Oder man braucht einen großen Skandal in den etablierten Netzwerken…

    Using Mozilla Firefox 2.0.0.11 on Ubuntu Linux
  3. cloudkicker Says:

    Noch größere Skandale als die oben bei StudiVZ verlinkten? Jedes andere Unternehmen mit dem Image wäre schon insolvent. Die meistgehörten Argumente für StudiVZ sind immer noch:

    “Ich bin drin, weil meine Freunde auch da sind.”

    und

    “Ich bin drin, weil es kostenlos ist.”

    Für die Misstände um StudiVZ und Facebook interessiert sich niemand. Selbst darauf angesprochen, lassen viele Studis nichts auf “ihr StudiVZ” kommen. Und an der personalisieren Werbung stört sich auch nicht wirklich jemand. Nur 1% der StudiVZler nutzt die Opt-Out Funktion. Das ist aber alles Faulheit und Unwissenheit. Wäre es eine Opt-In Funktion, würde es niemand nutzen. Weiterhin trägt dazu bei, dass es nur 1% ist, dass ja die Hälfte der StudiVZ-Acccounts zu Testzwecken und Fake angelegt wurden. Karteileichen entscheiden sich für Opt-Out.

    Using Mozilla Firefox 2.0.0.11 on Windows XP
  4. Get Your Own Style Says:

    Ich bin kaioo Supporter, und du?…

    Genau wie Philipp bin ich Supporter von kaioo! Helfen tue ich der Community in dem ich die Flyer an Freunde, Familie und vor allem in der Schule austeile.
    In den nächsten folgenden Punkten werde ich euch einige Argumente nennen, für die es sich lohn…

    Using WordPress 2.3.2
  5. Hansboin Says:

    Ich bitte Euch, macht ihr hier Werbung für Kaioo. Wo ist der Unterschied zwischen Kaioo und Studivz. Studivz ist einst mit dem gleichen Grunsatz wie jetzt Kaikoo rangegangen. und was hat sie abgehalten die Plattform zu verkaufen? Nix. Also Leute: man bekommt nix geschenkt im Leben, von niemanden. Ich wette mit euch, wenn Kaikoo ein Angebot über 200Millionen Euro bekommt verkaufen sie auch die Plattform. Facebook ist auf ca. 11 Millarden geschätzt.

    Using Mozilla Firefox 2.0.0.11 on Windows XP
  6. cloudkicker Says:

    Grundsätze bei StudiVZ? Am Anfang? StudiVZ war eine Glitsche von drei BWLern. Die haben nie ein Wort drüber verloren, dass den Nutzern irgendwelche Rechte (wie Mitsprache) einräumen wollen. Falls es eine einzige positive Pressemitteilung oder einen Blogeintrag über StudiVZ gibt, bitte die URIs posten!

    “There’s no free lunch.” Nichts auf der Welt ist umsonst. Das ist richtig. Deshalb wird kaioo ja auch (nutzerdatenunabhängige) Werbung schalten und von Spenden leben. Andere nicht-kommerzielle Projekte machen das genauso: Wikipedia (Spenden), Firefox (Suchen mit Google), …

    Using Mozilla Firefox 2.0.0.11 on Windows XP

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