StudiVZ - Armutszeugnis für Studierende

Ich bin zu tiefst bestürzt. Das eigentliche Problem der Probleme mit dem (s.u.) ist nicht das StudiVZ sondern die Nutzer, also hauptsächlich Studierende. Bei derartig vielen Schwachstellen auf technischer Seite sowie den Ausuferungen jenseits guten Geschmacks der Betreiber, ganz zu schweigen von der Kombination der Investoren, sollten doch bei jedem halbwegs gebildeten Menschen die Alarmglocken leuten. Aber nein. Aller Offensichtlichkeit zum Trotz bleiben sie “ihrem StudiVZ” treu. Ich würde genügend Flexibilität von Studierenden erwarten bei gegebener Sachlage Ihre Einstellung zu überdenken und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

“Der Ungebildete glaubt das, was ihm passt.”
Ludovico Ariosto

So werden beim Thema Datenschutz meisten die Scheuklappen aufgesetzt und sich mit der Standardfloskel eine sichere (Daten)welt vorgegaukelt.

“Ich habe nichts zu verbergen, also muss ich auch nichts befürchten.”

Bei derartigen Aussagen erwarte ich keinen Widerstand gegen die Massenkatalogisierung der DNS jeden Bürgers unter den zukünftigen Absolventen.

Das Problem
dürfte darin begründet sein, dass 99% der Teilnehmer nicht mehr mit Computern “arbeiten” als einen Text in M$ Word zu schreiben bzw. eine email bei WEB.DE zu versenden. Wenn es gut kommt hat ein Bekannter, der sich “mit Computern auskennt” einen Virenscanner installiert, IE durch Firefox abgelöst und mit einer Personal Firewall nachgeholfen. Ich will hiermit niemandem zu nahe treten. Jeder hat seine persönlichen Interessen. Das Internet gehört jedoch mit all seinen Vorzügen und Gefahren zu unserem täglichen Leben. Aus diesem Grund sollte jeder Nutzer über ein Basiswissen bzw. -skepsis verfügen.

“wenn studenten mit einem datenschutzbewusstsein rumlaufen das geringer ist als das meiner 8 jährigen tochter, dann wird mir ganz komisch.”
(Kommentar bei YAMB.BETA)

Mit dem Internet und speziell dem WEB2.0 ist also dem unbedarften Nutzer einen Technik zugänglich gemacht worden mit der er nicht umzugehen weiß. ist den meisten höchsten aus dem Kleingedruckten des Handyvertrages bekannt. Das zeigt, dass das Thema Datenschutz nicht auf das Internet beschränkt ist, sondern auch in der realen Welt notwendig und bekannt ist. Informationsrecherche, die über das simple eintippen von Begriffen in der Standardsuche von Google hinausgeht, gilt schon als Hacken. Eine gezielte Suche mit dedizierten Suchmaschinen/portalen ist unbekannt. Zum täglichen Internetgeschäft gehört sich über die unverschlüsselte Portalseite des email-Providers einzuloggen, evtl. wird noch eine Nachrichtenseite aufgerufen. Seit einigen Monaten gehört in diese Liste noch das StudiVZ. Was gayromeo für Homosexuelle ist, ist das StudiVZ für Studierende (die meisten sollen ja wirklich an Hochschulen eingeschrieben sein). Meine Bedenken dazu in StudiVZ und Eure Daten.

Was würde man von Studierenden erwarten?

  • Kritisches Denken. Bei wem melde ich mich an? Wer betreibt diese Seite? Was sind die Absichten dieser Betreiber? (Bitte nicht auf derartige Beteuerungen reinfallen!)
  • Recherche. War diese Seite schon in der Presse? Warum?
  • Flexibilität. Wenn dieses Portal nix taugt, dann geh ich zu einem besseren.

Das StudiVZ ist keine einzigartige Erfindung. Es ist dem USAmerikanischen facebook.com nachempfunden. & Co. haben nicht mit derartigen Problemen zu kämpfen und funktionieren einwandfrei. Social networking Portale bei denen es mehr gestalterische Möglichkeiten gibt als im StudiVZ, existieren viele. Empfehlung imeem.com (→ silicon.de). Monopolbildungen sind gefährlich und sollten möglichst nicht noch gefördert werden.

Informationsdefizit der Studis
Wie bekommen studierende Internetnutzer, die nicht wissen, was heise.de oder golem.de ist und “” die fränkische Version von “Block” halten, mit, was sich in der Onlinewelt abspielt, in der sie sich aufhalten? Die einzige Seite, die evlt. noch einen Großteil der Studis erreicht ist Spiegel-Online. Wie erklärt man jungen Menschen für den das durch die Verfassung garantierte Recht auf Informationielle Selbstbestimmung nichts bedeutet, welchen Gefahren seine personenbezogene Daten speziell auf Seiten mit derartig vielen Sicherheitslücken (s.u.) ausgesetzt sind?

[edit: Wegen Nachfragen. Nein, hier geht es nicht (nur) um Postwurfwerbesendungen. Wirklich jeder kann sich anmelden. Damit ist die Plattform öffentlich und auch der HR Abteilung Eures zukünftigen Arbeitgebers zugänglich.]

Rettung in Sicht?
Evlt. helfen die sich nun mehrenden Warnungen der Studierendenausschüsse und AStAs, die gruschelsüchtigen Studis wieder zur Besinnung zu bringen.

Die Bevormundung des offensichtlich unmündigen Onlinebürgers scheint unabdingbar. Und da es um die Computerkenntnisse der User schlecht bestellt scheint, gibt es auch schon eine animierte Schritt für Schritt Anleitung zur Abmeldung.

Wo findet man mehr Informationen?

Warum reden alle über den Schutz der persönlichen Daten?

Presseberichte zum StudiVZ in den letzten Tagen

Nachtrag am 01.12.06
Heute schreibt auch Die WELT, “Wie Deutschlands heißestes Start-Up vor die Wand fährt“. Sogar Ehssans Videos bei YouTube wurden eingebunden. Damit sollten die Probleme das StudiVZs aus der Welt der Blogger und ITler an die breite Öffentlichkeit gebracht werden.

Nachtrag am 02.12.06
Da das StudiVZ gar nicht mehr online zu kommen schein, ergibt sich jetzt auch ein großes Problem für diejenigen, die sich abmelden wollen. Das sollte aber auch per Post oder email gehen. Im Impressum findet Ihr die Kontaktdaten dafür. Durch den Tip von Jörg-Olaf Schäfers bin ich den T5F gestoßen, eine prima Vorlage, wenn es um die Beantragung der Löschung von persönlichen Daten geht.

17 Responses to “StudiVZ - Armutszeugnis für Studierende”

  1. Tobias Says:

    Ich kann ja ganz toll flexibel sein und mich bei jedem der Konkurrenzprodukte anmelden und jedes Mal, wenn ich jemanden suche, in allen diesen Communities suchen. Der Reiz des StudiVZ ist eben gerade, dass so viele Leute angemeldet sind, ehemalige Mitschüler, Freunde etc. Es ist ein Witz, daraus einen Vorwurf zu machen…

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  2. andre Says:

    Zugegeben, es mag seinen Reiz haben viele seiner Bekanntschaften auf einer Plattform vereint zu finden. Aber die Gefahren für den Datenschutz, die daraus entstehen sind Dir doch hoffentlich bewusst. Wenn man sich so der Öffentlichkeit exponiert, müsste es schon sicher und geregelt zugehen. Der “Witz” ist ja gerade, dass diese Plattform offensichtlich nicht dafür geeignet ist, und genau das verstehen die Studis nicht. Warum nicht gemeinschaftlich umziehen? Die Warnungen beziehen sich explizit auf das StudiVZ!
    Und gerade von der “geistigen Elite” erwarte ich doch mehr als von der Spaßgesellschaft, nämlich den kritischen Umgang mit Daten in der vernetzten Welt, in der wir leben.

    ” “Es gibt keine ungefährlichen Daten mehr”, sagte sinngemäß das Bundesverfassungsgericht schon im Jahr 1983. Es kam zu dieser Einschätzung, weil in Zeiten von Computern und Datenbanken niemand weiß, wie an sich harmlose Daten zum Nachteil der Bürger miteinander verknüpft werden und wer welche Schlüsse daraus zieht. Deswegen ist jedermann gut beraten, nicht überall Name und Adresse, Telefon- und Kontonummern und andere Daten bedenkenlos zu verteilen. Die meisten Internetnutzer tun das trotzdem – sie hinterlassen nicht nur Spuren, sondern ganze Elefantenpfade im Netz, mit manchmal sehr peinlichen Folgen.” (heise.de, 24.11.2006)

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.8 on SuSE Linux
  3. heinz Says:

    es interessiert sich eben nicht jeder für IT

    Using Opera 9.02 on Windows XP
  4. andre Says:

    Sicher. Das erwarte ich ja auch nicht. Es sollte aber doch ein Bewusstsein für die Gefahren der digitalen Welt vorhanden sein, wenn man sich darin fortbewegt. Vielleicht könnte man das der Schulbildung ankreiden. Abgesehen davon erwartet der zukünftige Arbeitgeber in fast allen Berufszweigen “Computerkenntnisse”.

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.8 on SuSE Linux
  5. Trackback: Blamiert sich die künftige Nachwuchselite? Says:

    […] Vielen sind die gravierenden Probleme und Mängel bekannt, viele ignorieren, andere interessierts schlicht nicht. In dem ganzen Gewirr von Meinungen und Kommentaren zum StudiVZ gibt es leider eine ganze Menge an Personen denen ihre Daten, Datenschutz und alle Kritik am StudiVZ egal zu sein scheint. Da hört man Kommentare wie “Meine Daten sind mir Egal” oder “Hört doch mal auf rumzuhacken, ist doch jeder selber schuld, wenn er sich dort anmeldet” oder “mir egal wer was mit meinen Daten macht, hauptsache die Plattform funktioniert”. […]

    Using Opera 8.51 on Linux
  6. Christopher Says:

    Jetzt mach mal bitte halblang, in Studiengängen wie Medizin, Jura, Geisteswissenschaften allgemein etc. werden IT-Kenntnisse weder vermittelt, noch in großem Umfang erwartet. Dein elitäres “ich kann mehr als word”-Theater kommt ein wenig sehr von oben herab. Es wäre sinnvoller, wenn Du Dich auf das Informieren Deiner Mitmenschen beschränkst, was Du zweifelsohne gut machst. Dein Lustigmachen über die Bildungselite dieses Landes ist in diesem Zusammenhang aber überflüssig und hört sich sehr nach Neid an. Wohl den n.c. verpasst, was?

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  7. andre Says:

    Und genau die Studis dieser Studiengänge werden dann auch wohl kaum was kritisches über das StudiVZ zu hören bekommen, bzw. gleich abschalten, wenn Worte wie “Datenschutz” fallen. Ich erwarte doch nur eine gewisse Grundkenntnis, die in unserer modernen Welt unabdingbar ist. Den Rest kann man mit normalen Menschenverstand erledigen. Wer unterschreibt schon an der Haustür einen Aufnahmevertag für ein Verzeichnis und gibt dem Klinkendrücker, von dem man nur schlechtes gehört hat, auch noch gleich ein Foto zu den pers. Daten mit? Als sich die letzten 200.000 Studis beim StudiVZ angemeldet haben, sind die Onlinenachrichten, -Zeitungen und Blog schon vor Negativschlagzeilen übergequollen. Sich dann trotzdem anzumelden ist naiv.

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.8 on SuSE Linux
  8. Ulrich Says:

    Ich denke, du solltest hier ein wenig mehr differenzieren. Sicher wolltest du auch provozieren, aber deinen stark beschränkten Betrachtungswinkel finde ich schon etwas arg.
    Durch das Verhalten jedes einzelnen Studenten wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der erstmal seinen Weg geht - auch, wenn das gegen die Wand laufen heisst. Diese Prozesse spiegeln sich aber in allen grossen Menschengruppen wieder (schau dir alleine den Umgang mit unserer Natur in Bezug auf Ressourcennutzung und Bevölkerungszahl an, manchmal müssen wir einfach gegen die Wand laufen, denn es sind zu wenige, die Einsicht haben, weil sie von der Materie Ahnung haben ! So gibt es auch nur wenige, die sich mit diversesten Attaken beschäftigen oder auch nur im Geringsten vom Aufbau des Internets und dessen Funktionsweise eine Ahnung haben - man kann es ja auch durchaus nicht als Allgemeinbildung bezeichnen, den TCP/IP-Stack wie er in den zugehörigen RFCs beschrieben wird, zu kennen.) Hinzu kommt noch, dass das studivz sehr jung ist. Vor einigen Monaten waren sich noch die meisten Portale sehr ähnlich. Bugs und auch das Verhalten der Betreiber waren nicht grossartig bekannt, bzw. haben sich noch nicht wirklich gezeigt. Erst, wenn eine Platform bekannt wird, werden auch deren Lücken deutlich, denn vorher haben Angreifer nicht die nötige Aufmerksamkeit und Hacker (die in der Regel auch nicht böse sind) noch kein Interesse. Am Anfang war es einfach am einfachsten, sich bei studivz anzumelden, alleine schon, weil die eigenen Freunde dort waren (so funktioniert das nun mal, man geht erstmal dahin, wo die Freunde auch sind (selbst, wenn man von dem System nicht überzeugt ist) - diese Dynamik hat nicht viel mit persönlicher Intelligenz zu tun) und so hat sich die ganze Geschichte selbstständig gemacht. Sicherlich gibt es auch eine Menge Leute, die über Gefahren nachgedacht haben, aber in dieser Zeit haben die positiven Nachrichten ja noch deutlich überwogen, und solchen Leuten wurde noch nicht die (vielleicht) nötige Aufmerksamkeit geschenkt - den Mensch liebt nunmal seine angebliche Freiheit.
    Ich traue aber den Studenten zu, dass sie ein wenig von dieser Dynamik wissen und sie auch nutzen können. Wird es anhaltend schlechte Nachrichten und Probleme mit studivz geben, werden einige Pioniere (die es sicher schon gibt), von “besseren” Portalen berichten und so wird sich die ganze Landschaft heterogener entwickeln. So war es mit Windows und Linux übrigens auch - oder wird es noch werden - wie bei Firefox und IE, das ist ganz normal. Die Denker einer Masse brauchen eben erstmal die Gelegenheit, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, sonst bleiben sie alleine. Nach dem ersten run (den wir jetzt hatten) wird sich das System sehr “verbreitern” (man wird viele Portale ausprobieren), danach verdichtet sich das System wieder, wird aber heterogener sein. Dann werden es aber neue Portale sehr schwer haben.
    Wenn du dir die Populationsdynamik anschaust (die ja nur durch Mutation und Selektion funktioniert), also vielleicht das natürlichste System, dann wirst du feststellen, dass es hier nicht viel anders läuft. Zur Zeit sind wir eben in einer Anfangsphase, die jetzt aber stark gestört wird (thermodynamisch kann man das alles prima beschreiben).
    Und woher willst du wissen, dass alle Studenten dem studivz treu bleiben und sich nicht informieren ? Zu dem Zeitpunkt, zu dem man davon hören wird, werden sich schon mindestens 10% der Studenten nach sinnvollen Alternativen umgeschaut haben. Man kann nicht von allen erwarten, dass sich sich im Internet ausreichend auskennen und die Zeit oder Lust haben, sich dauernd zu informieren (die bisher gemachten guten Erfahrungen müssen auch erstmal durch schlechte aufgewogen werden, bevor man über “untreue” nachdenkt), zudem wird man (also die Breite Masse) nicht zu einem unkormfortableren System wechseln (Linux musste auch erst einen gewissen Komfort haben, bevor der normale Bentzer dorthinwechseln konnte. Und ab einer gewissen Grösse ist die Marktmacht noch entscheidender - denn das, was jetzt z.B. OpenOffice ist, war einst StarWriter und um Welten dem damaligen MSWord überlegen (ich spreche von DOS-Zeiten, in denen StarWriter schon eine grafische Oberfläche besaß, Word aber nicht viel mehr als ein Editor war, trotzdem war Word klarer Standard));

    Natürlich sind alle Studenten sehr optimistisch an dieses Problem getreten, wären sie aber sehr pessimistisch gewesen, hätte die Idee vermutlich überhaupt nie funktioniert und wäre im Keim erstickt.

    Deshalb denke ich, dass du über die Studenten hier zur Zeit noch überhaupt keine Aussage treffen kannst, wir werden sehen, wie träge das System ist, danach kann man dann sicherlich mehr Aussagen über die Intelligenz des durchschnittlichen Studenten treffen,..

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.7 on Debian GNU/Linux
  9. andre Says:

    Letztendlich glaube ich auch, dass sich mind. die Hälfte eine neue Bleibe online suchen wird. Vielleicht steigt dann auch die Kreativität, es werden eigene Seiten gestaltet und miteinander verlinkt. Das StudiVZ hat den Leuten gezeigt, dass es dank moderner Portale ein Kinderspiel ist eigene Inhalte online zu stellen. Dass es sich um den falschen Ort gehandelt hat, wird vielen eine Lehre sein in Zukunft vorher genauer hinzusehen, und sich über das \’was stelle ich wo unter welchem Namen online\’ (Datenschutz!) Gedanken zu machen.

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.8 on SuSE Linux
  10. Mint Says:

    Es stimmt schon, dass ein jeder der auch nur einen Satz über sich (oder andere!) ins studivz.net schreibt, ein stück mehr zum Gläsernen Menschen wird.

    Die Frage ist nur, ob solcherlei Daten nicht ohnehin schon bekannt sind.

    Als viel gravierender schätze ich die persönliche Abhängikeit des einzelnen Users von solcherlei Foren ein. Hier kommen die grossen Firmen im Hintergrund ins Spiel, welche plötzlich wirklichen Einfluss ausüben können.

    Mit den reinen Userdaten lassen sich vielleicht ausgeklügeltere Werbestrategien verfolgen.
    Mit der Abhängikeit der User(Menschen!) lässt sich jedoch viel mehr “böses” anstellen.

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  11. wombat Says:

    ja, hallo Leute,

    ich kann der bisherigen Diskussion im Groben zustimmen, und.. das ist vielleicht noch wichtig; oute ich mich hier jetzt mal als genau so ein standart-Idiot, der keine Ahnung von Datenschutz hat. Wie schon erwähnt wurde, habe ich nicht die Zeit und Lust, um mich mit speziell diesem Thema intensiver auseinanderzusetzen. Nur als Bsp: was sollen da die ganzen Chemiker sagen? Wer von uns kennt denn die ganzen E-Nummern auf den Konserven, was sie für Konsequenzen für unseren Körper haben usw..
    Problematisch finde ich aber auch, dass mensch nicht so ne Vorstellung von den Missbrauch-Möglichkeiten hat. Was kann man denn mit solchen Daten schon erreichen? Es geht doch hauptsächlich um Marktanalyse und vielleicht auch -Steuerung, um gezielten Info-Zugang und -Ausschluss?? In Dem Punkt liefert mich mein Konto eh den gegebenen Verhältnissen aus. Also was seh ich denn großartiges, wenn ich den Kopf ausm Sand nehme?

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  12. Mint Says:

    Naja, Du musst den Kopf erst mal raus kriegen, aus dem Sand!

    Die Kommunikation zwischen Menschen läuft mitlerweile sehr intensiv über das Internet ab.
    Portale wie studivz.net sind aber mehr als reine Kommunikationsschnittstellen. Sie Simulieren eine Wirklichkeit, die es so ja garnicht gibt. Statt sich in der Realität, im “Off-Screen” zu treffen, verschiebt man seinen ganzen Sozialen Umgang auf Foren und Kontaktbörsen.
    Vorgestern war der studivz.net Server mal wieder unten. Ich möcht nicht wissen, wieviele Menschen das zur Verzweiflung gebracht hat, weil sie plötzlich keine Freunde mehr hatten!

    Und um bei Deinem Beispiel zu bleiben.
    Wenn man lang genug den Kopf im Sand hatte, ist man Blind wenn man denn den Kopf wieder raus kriegt.
    lol

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  13. fabian Says:

    Ich begrüße, dass es wenigstens vereinzelt noch mündige User gibt, die den Mitteilungsdrang haben, ihre weniger informierten Mitmenschen aufzuklären. Daher direkt als allererstes mein Lob an den Verfasser für die Fülle und den Gehalt der Information. Seit ‘bloggen’ und ‘Web 2.0′ zum guten Ton gehören findet man leider nur noch selten Blogs, die tatsächlich etwas vermitteln - und mehr sind als nur ein Tagebuch.

    Jetzt jedoch zur Suppe. Ähm.
    Interessen sind so ähnlich wie Geschmack oder Geschlechter. Sie sind verschieden. Deshalb kann man es - zunächst - keinem Studenten/WorkingClassHero/Rentner zum Vorwurf machen, nicht über Datenschutzlücken und das Geschäft damit informiert zu sein.
    Aber wie an anderer Stelle bereits treffend kommentiert wurde, bewegt man sich freiwillig in diesem Raum.

    Greifen wir das Ganze etwas analoger auf:
    Du bist Student an der Uni XYZ in CapitolCity und willst neue Leute kennenlernen. Ein Bekannter rät dir den SwingerClubFürStudenten an der Ecke - du brauchst nur das Antragsformular auszufüllen und bist drin. Vermutlich macht es dich stutzig, warum das Gebäude mit den Daten anderer Studenten bemalt ist, die jeder lesen kann, wenn er möchte. Wer sich diese Mühe nicht machen will, kauft beim Clubbesitzer einfach einen Schwung Papier, auf dem die Daten stehen, nebst Adresse, Hobbies, vielleicht sogar Bildern, die er für allerlei Zwecke einsetzen kann.
    Der Club ist aber so furchtbar _praktisch!_ (mein Vorschlag für das Unwort des kommenden Jahres) - hey, denn immerhin gehen ALLE dahin. Und du würdest sofort neue Leute kennenlernen. Dabei bietet die Uni selbst die gleichen Funktionen, nur etwas mehr nach der alten Schule. (schwarze Bretter, Parties, Studiengänge ;) )
    Würde es real passieren, würden die meisten Benutzer nichtmal einen Fuß in das Gebäude setzen.

    Aber nun treffen also hunderttausende unmündige (da nicht-informierte) Studenten auf den virtuellen SwingerClubFürStudenten in CapitolCity und nur weil sie nicht auf den ersten Blick SEHEN, was mit ihren Daten passiert, lassen sie es geschehen, obwohl die virtuelle Rainbow-Warrior samt Aktivisten seit Monaten den sinkenden Öltanker umkurvt.

    Es bleibt zu hoffen, dass die Benutzer dazulernen, bevor sie in die Führungspositionen von Großkonzernen entlassen werden, sonst sehe ich schwarz.
    (ja, das ist ein Hacker-Witz… ;) )

    Als ich mich beim StudiVZ angemeldet habe, kannte aus meinem studentischen Umfeld kaum jemand das Portal. Aber selbst “damals” war ich so schlau eine ziemlich unsinnige Verschlüsselung meines Namens anzugeben. Und das ist der Rat eines weisen Hackers. Wenn ihr schon so blöd seit, eure eigenen Adressen bei Werbeverteilern, Voyeuren und eure Bilder als Wichsvorlage für Fette-Jungs-Ohne-Freundin bereitzustellen, dann benutzt-in-Herrgottsnamen-einen-anderen-Namen. Meinetwegen auch den Herrgottsnamen.
    Lustige Kombinationen wie “Die Nadine” oder Künstlernamen wie “Herbert Uninformiert” sind wenigstens ein Anfang. Das gilt übrigens auch für alle anderen Dienste dieser Art.

    Selbstdarstellung ist alles. Nicht nur das StudiVZ, sondern auch Xanga, Myspace, Emopunk.net (denen ich aber nichts böses unterstellen will) und dutzende anderer Web2.0 social-Networking Dienste sind wahre Fundgruben für böse Schwarze-Männer.
    Und wenn man schon aus prestigegründen (und natürlich, um mitreden zu können) dem Hype nachgibt, dann bitte - versucht wenigstens mit ein paar einfachen Tricks nicht alles zu offenbaren.

    - Fake-Namen.
    - Anonyme eMail-Adressen NUR für diesen Zweck
    - nach Möglichkeit keine korrekten Adressen, etc.

    Using Mozilla Firefox 1.5.0.8 on Windows XP
  14. wombat Says:

    “böse schwarze Männer”
    “virtueller Swingerclub”… also irgendwie bin ich grad maßlos “enttäuscht”.
    Da kann ich einfach nur sagen;

    das ist doch alles Pillepalle!

    Selbst die Rainbow-Warrior hatte wichtigeres zu tun als das, wofür sich hier einige als Retter der Nation aufspielen! Das alles gilt doch nur für Leute, die tatsächlich ihr Leben im virtuellen Raum verbringen, und/oder die ihre Identität auf Zahlen wie Name/Adresse bauen. Und solche tun mir von Vornherein Leid. Ob da noch kleine fette Jungs hinzukommen und auf deren “Identität” wichsen kann mir gestohlen bleiben. Vielleicht liegts auch nur daran, dass hier einfach ne Herausforderung, eine neue, heldenhafte und gute Mission - das enduring freedom der virtuellen Welt gefunden werden musste, um einige Leute zu beschäftigen, die von Berufswegen oder wie oben genannt ihre einmalige Lebenszeit in ein und die selbe Richtung laufen.

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP
  15. Micha Says:

    Es ist sicherlich wichtig, dass solche Infos ans Licht kommen, aber alles hier genannte trifft doch auch auf die “normale” Welt zu. Wer in größeren Städten wohnt, wird es kaum schaffen am öffentlichen Leben teil zu nehmen, ohne gefilmt zu werden. Auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften, an Bahn- und Bushaltestellen, usw. Unser gesamtes Verhalten wird analysiert und die Schlüsse daraus werden benutzt - ob von staatlicher oder gewerblicher Seite. Man kann sich dem nicht entziehen. Online kann ich mir eine falsche Identität zulegen, in der City wird man kaum jemanden finden, der mit einer Maske durch die Gegend läuft. Schüler sollen künftig mit Noten, Herkunft, Muttersprache etc in einer großen Datenbank gespeichert. Das würde ich als Datenschutz-technisch fragwürdig bezeichnen. Was ich sagen will ist, dass wir uns dieser Transparenz kaum entziehen können. Jede Diskothek, die etwas von sich hält, hat einen Fotobereich auf ihrer Seite mit zahlreichen Schnappschüssen von der letzten Party. Da beklagt sich auch keiner, viele freuen sich eher, dass sie im Internet sind. Die Leute von heute werden einfach Öffentlichkeitsgeil. Wenn ein Fernsehteam jemanden auf der Straße zu einem x-beliebigen Thema nach seiner Meinung fragt, würde ich die These aufstellen wollen, dass 95% der Leute bereitwillig Stellung nehmen. Um zum StudiVz zu kommen: Ich stimme dem zu, dass es sicherlich sinnvoll ist, nicht unbedingt die wirkliche Adresse anzugeben. Zu fabians Vorschlag einen Fake Namen zu wählen: das hat wenig Sinn bei einem Portal, bei dem man finden und gefunden werden will. Ich brauch mich dort nicht wirklich anmelden, wenn ich nicht auch gefunden werden möchte. Die Sache mit den Fotos wird denke ich deutlich überbewertet. Die Frage ist doch, warum stellt man ein Foto online? Man möchte sich präsentieren. Für Freunde muss man das nicht tun, die wissen wie man aussieht. Man stellt ein Foto dort rein, damit jeder einen sehen kann. Man will gesehen werden! Man will Klicks. Man will, dass jedes mal, wenn man sich einloggt, 3 neue Namen in der Liste wer meine Seite zuletzt besucht hat, auftauchen. Die Fotos sind doch völlig freiwillig, man muss keins reinstellen. Die Stalking-Attacken sind verwerflich, aber so ist der Mensch - zumindest einige Menschen. Diesen Missbrauch kann man nur verhindern, indem man kein Foto einstellt.
    Die gesamte Diskussion ist ein wunderbares Beispiel für den schleichenden Weg hin zum gläsernen Menschen und dem perfiden Exibitionismuswahn der Gesellschaft. Das sind aber Grundsatzdiskussionen, die sicherlich zu weit führen würden.
    Abschließend möchte ich zum Verfasser sagen, dass ich es unterstütze, dass Informationen an die Öffentlichkeit getragen werden. Der Stil ist aber entscheidend. Der Mensch an sich ist sehr sensibel und lässt sich schnell kränken. So wie du alle Studenten über einen Kamm scherst und mit der Schreibweise von oben herab wirst du nicht viel erreichen. Das einzige was du erreichst ist, dass du die Betroffenen gegen dich aufbringst. Wenn das dein Ziel war/ist, müsste ich dich zum Erfolg beglückwünschen, davon gehe ich jedoch nicht aus. Ich finde richtig, WAS du machst, aber über das WIE solltest du nachdenken.

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  16. Artur Says:

    ich muss dem Ulrich (siehe oben) zu stimmen. Bin ganz seiner Meinung. Und ausserdem zum Gläsernen Menschen: Die meisten Leute haben sich schon ohne hin irgendwo bei irgendwem angemeldet oder sei es bei einem Preisausschreiben mitgemacht und da kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an.
    Ausserdem kann sich jeder auf seine art schützen. Werbung flattert nicht in meinem Postkasten, dazu genügt ein einfacher Stempel “Keine Werbung”, wird doch was reingeworfen freut sich nur mein Geldbeutel bei Klage!
    Und wenn sich hier halt Firmen einlogen und sich neue angebote nach den Interessen der User dann herausarbeiten, da bedanke ich mich noch herzlich, vielleicht kommt dann ein “Mega Super Spar Schnäppchen Angebot” perfekt auf mich zugeschnitten in mein Haus. Hey wenn sich die Firmen schon so ne mühe machen, dann soll es doch belohnt sein.

    Und selbst wenn mein zukünftiger Chef sich hier anmeldet, SCHÖN! Ich habe nichts zuverbergen im Gegenteil, hier kann er sich ein Bild von meiner Privatsphäre machen. Find ich gut so!

    Es ist aber immerhin eine Platform wo ich noch bestimme ob ich mich anmelde oder nicht und was ich reinschreibe und was nicht!
    Was ich viel schlimmer finde sind die öffenlichen Kameras die klauen meine Privatsphäre nicht das Studivz, da lebe ich sie aus!
    Und gegen die Protestiert niemand so laut wie hier gegen das StudiVZ!

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  17. cloudkicker Says:

    Gegen jegliche generelle Überwachung (Kamera, Kommunikation, usw.) gehen die Leute schon länger und permanent auf die Barrikaden. Ich habe auf meiner Datenschutzseite die heutigen Möglichkeiten der Überwachung zusammengetragen. Einige der abgezeichneten Entwicklungen sind mittlerweile schon Realität. Auf metaowl.de werden Blogbeiträge zum Thema gesammelt. Gerade deshalb reagieren Datenschutzbefürworter allergisch auf Menschen, die freiwillig voran treiben, was sie, die Datenschützer, verhindern woll(t)en.

    Using Mozilla Firefox 2.0 on Windows XP

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