studiVZ und Eure Daten
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update: Lest unbedingt den Artikel über kaioo, DER Alternative zu StudiVZ, Facebook & Co.
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Die eigene Identität , die persönlichen Daten sowie mit wem wir was kommunizieren ist eines der kostbarsten Güter der Internetzeit. Es ist einfacher denn je Menschen zu überwachen, aber auch einfacher für Menschen sich von sich aus mit ihrer Privatsphäre der Öffentlichkeit zu präsentieren. Datenschutz heißt hierbei nicht nur, dass staatliche Institutionen den Umgang mit personenbezogenen Daten Überwachen, sondern auch, dass sich jeder einzelne darüber bewusst ist, wo er seine Daten warum zur Verfügung stellt. Das Schlagwort hierbei ist Data-Mining, das massenhafte Sammeln von personenbezogenen Daten und deren Auswertung. Sei es bei den Suchmaschinen oder Bonussystemen. Jeder Schritt des potentiellen Kunden ist Geld wert. Viele Menschen, gerade mit geringen Kenntnissen der digitalen Welt gehen dabei zu leichtfertig mit ihren Daten um. studiVZ ist nur ein Beispiel von vielen. Wie viele werden merken, dass sie ihre Identität und ihr Recht auf Privatsphäre verspielen? Wievielen ist der Wert dessen bewusst?
… nicht mal Werbung
Als ich mir neulich mal wieder vom studiVZ vorgeschwärmt wurde, und ich auf die Bedenklichkeit wegen des Datenschutzes von social networking Protalen im allgemeinen hinwies, bekam ich folgendes zu hören:
“Datenschutz, ach was. Das ist total toll. Wir sind da alle vernetz. Und die zeigen nicht mal Werbung auf der Seite.”
Aber genau das würde mich stutzig machen. “There is no free lunch.” Wie verdienen die denn dann ihr Geld? Oder müssen sie das nicht? Das ist bestimmt ein gemeinnütze Vereinigung. Karitativ sozusagen. Wie kann man nur so naiv sein. Was ist verkauft sich in unserer Zeit besser als Daten? (→ Studenten-Netze: Millionengeschäft mit Weltschmerz und Bikini-Bildern (Spiegel Online, 21.10.06))
“Du musst Deine Seite ja auch nicht öffentlich machen. Außerdem können da ja auch nur andere Mitglieder drauf schauen.”
Aber, warum werden die Daten denn dann erhoben? Wer hat auf jeden Fall im Zugriff auf die Daten außer Ihr (Denkaufgabe!) ? Warum kann man sich nicht einfach nur mit einem Nickname und Passwort anmelden? Wieso müssen Vorname, Nachname (Geburtsdatum und Geschlecht) angegeben werden? Bei Bonussystemen wie Payback sind die Daten auch sicher vor der Öffentlichkeit, aber dennoch wird man für die Preisgabe derer und der Registrierung seiner Einkaufgewohnheiten belohnt.
Missbrauch oder Gebrauch?
Ich unterstelle hier in keinster Weise den Betreibern von social networking portalen, wie z.B. studiVZ, dass sie Eure Daten missbrauchen würden. Das ist durch die Gesetze zum Datenschutz in Deutschland geregelt. Es geht um den Gebrauch der Daten, also Eurer Persönlichkeit.
“Zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir, wer Du bist.”
Treffender als durch die Angabe seines Freundeskreises (und natürlich auch deren persl. Daten) kann man sich also nicht offenlegen. Meiner Meinung nach könne man das als Prostitution der persönlichen Daten bezeichnen.
Impressum, AGBs und Betreiber
Wer steckt dahinter? Wer von Euch hat sich die AGBs durchgelesen, die er beim “immatrikulieren” abgenickt hat? Da machen sich die Leute in die Hose, ob sie einem Onlineshop vertrauen können bei dem 10€ ausgegeben werden, und dann legt man sein Privatleben auf einer x-beliebigen Webseite ab. Das ist natürlich schon kritisch. Mal angenommen irgend ein Mensch mit einem Infostand in der Fußgängerzone bietet Euch 1€, wenn Ihr Euren Namen, Geschlecht, Geburtsdatum und Freunde auf einen Zettel schreibt. Wäre dass dann OK?
Linke, Alternative und Greenpeaceler,
Ihr seid grundsätzlich gegen alles, was mit “Kommerz” und der Ausbeutung durch große Konzerne zu tun hat. Aber Eure Persönlichkeit verkauft Ihr für ein Nutzerprofil in der Datenbank von Leuten, die Ihr nicht kennt?
Rebellion gegen Datenerhebung
Wieso rebellieren auf der einen Seite Menschen gegen Datenerhebungen durch den Staat, wenn zur gleichen Zeit ein Haufen von geistigen Stuckafliegern eine Datenbank gefüllt privaten Daten bei einem nicht-staatlichen Unternehmen aufbaut, die auch noch die Beziehung der Menschen untereinander enthält?
“Wer bei PR-Mann Bonow beharrlich nachfragt, bekommt irgendwann doch eine Antwort: „Klar geht es um die Nutzerdaten. Sonst macht das Ganze doch keinen Sinn, das ist doch klar.“ Er klingt ein bisschen vertraulich und ein bisschen von oben herab: Da unten, irgendwo, sind die Nutzer.”
Meine gläserne Generation(cached) ( jetzt.de, 15.10.06)
Das schlimme daran ist der schleichende Prozess, der mit der Zeit allen Menschen ihre Privatsphäre raub. Bei der nächste Volkszählung kann ich nicht auf die Unterstützung von abgebrühten studiVZlern hoffen, die ihre Stimme gegen Datenerhebungen geben sollen.
Was, wenn die Betreiber wechseln?
Gut, Ihr könntet sagen, dass Ihr die derzeitigen ja auch nicht kennt. Wo ist also das Problem?
“Wenn studiVZ wie YouTube jemals verkauft wird, werden die gesammelten Userdaten mitverkauft werden. Dann interessiert es auch nicht mehr, dass „wir die strengen Datenschutzgesetze Deutschlands sogar übertreffen“, wie es studiVZ-Sprecher Tilo Bonow verspricht.”
Meine gläserne Generation (cached) (jetzt.de, 15.10.06)
Mein Verbesserungsvorschlag
Neben den persönlichen Daten, die einen Menschen eindeutig identifizieren, sollten auch noch Körpergröße, Augenfarbe und Haarfarbe mit in die Datenbank. Dann könnte man mal nach der hübschen blonden suche, die neulich in der Mensa vor einem in der Schlange war.
Wie hält man Studenten fern?
Na mit Geld. Würde das studiVZ sich durch Mitgliederbeiträge finanzieren und sagen wir mal als e.V. auftreten wie Wikipedia, die internen Prozesse offenlegen, dann könnte man von einer vertrauensvollen Beziehung sprechen. Würde jedes der 700.000 nur 50c/Monat zahlen, wären das schon 350.000 EUR/Monat mit denen man die Platform locker über Wasser halten könnte. Aber der falsche Geiz des Großteils der Studentenschaft würde dann zur Löschung von 95% der Accounts führen, oder aber umgekehrt betrachtet, spült er wahrscheinlich momentan wesentlich mehr als 50c/Monat pro Nase in die Kassen von studiVZ für valide Nutzerprofile.
Trubel um den Gründer Ehssan Dariani
Ehssan Dariani beim Mädels in der U-Bahn anmachen: Video bei YouTube. Hier das bekannte “chick auf mitte party // WC” bei YouTube. Mehr:
- Ehssan Dariani, Lügen, Philosemitismus und Braunes bei StudiVZ
- Der Hitler-Screenshot und der Käufer Facebook
Lesenwerte Artikel zum Thema:
- Meine gläserne Generation (cached) (jetzt, 15.10.06)
- Warum sich Mädchen im Internet ausziehen (jetzt, 28.09.06)
- studiVZ - echt gruschelig (S-O-S SEO Blog, 02.11.06)
- Gotterdämmerung des Social Networking (seclog.de, 04.09.06)
- Basic Thinking: Domaingrabing durch die studiVZ Betreiber
- Nutzen und Kritik am studiVZ (wikipedia)
Nachtrag am 15.11.06
Aha, die Probleme vom StudiVZ schaffen es nun auch in die großen Medien:
- Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf (Spiegel Online, 15.11.06)
Nachtrag am 01.12.06
Mark Seremet (spreadshirt.net, etc), eine der Größen im WEB2.0 “didn’t invest in Ehssan because he was a “loose cannon”: Looks like I was right about StudiVZ. Ein wohl sehr gute Übersicht bietet der heute erschienen Artikel “Wie Deutschlands heißestes Start-Up vor die Wand fährt” in der WELT, der auch die YouTube Videos eingebunden hat.
November 12th, 2006 at 23:02
[…] Nachschlag: Gerade habe ich beim Stöbern noch den Eintrag “studiVZ und Eure Daten” entdeckt. Die Zeilen spiegeln exakt die Gespräche wider, die ich zigfach geführt habe. Einzig der Inhalt des letzten Abschnitts war mir bisher nicht bekannt. Aber in der Tat eine interessante Verzweigung. Permlink: http://www.michael-eble.de/blog.me/2006/11/12/suchtmaschine-nachtrag-ii/ […]
Using WordPress 2.0.2September 25th, 2007 at 19:48
Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität…
Mein Tutorial über Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität.
Using WordPress 2.2.3Soziale Netzwerke im Internet und Anonymität
Einleitung:
Soziale Netzwerke im Internet sind immer mehr im kommen. Die US-Plattform Facebook hat schon jetzt mehr als 30 M…
December 14th, 2007 at 19:11
[…] StudiVZ und eure Daten […]
Using WordPress 2.3.1